Wa(h)re Sportler

Ich möchte diesen Artikel nicht dazu nutzen um die Missstände im Fußball zu benennen, wo Manager aus Afrika und Südamerika inzwischen mehr Menschenhändlern ähneln. Dies ist ein anderes Kapitel und bedarf einer anderen Herangehensweise als die Intention hier. Hierbei geht es um die Kapitalanlage Sportler und zwar insbesondere das Kapital neben dem Sportplatz. Spieler werden inzwischen zunehmend nicht nur wegen den sportlichen Leistungen geholt, sondern auch weil eine bestimmte Nationalität oder Rasse neue Märkte bedeutet. Wir befassen uns hier mit dem Beispiel des Basketballers Jeremy Lin, der in diesem Sommer von den New York Knicks zu den Houston Rockets wechselt.

 

Lins Aufstieg

Lins Geschichte förderte seinen Mythos und den Wahn, der daraufhin entstand. Er war bis zur Mitte der letzten Saison absolut bedeutungslos und konnte sich in keiner Mannschaft durchsetzen. Nachdem sich bei den New York Knicks Schlüsselspieler auf seiner Position verletzten nutze er die Chance und spielte auf als sei er ein All-Star. Mehr als 20 Punkte pro Spiel und zahlreiche Assists waren ein Teil der Erfolgsgeschichte. Wichtig fürs Marketing war die Tatsache, dass man besser mit ihm spielte UND seine „aus dem Nichts zum Star“-Geschichte. Hinzu kam, dass mit Harvard eine Elite-Uni besuchte, aber eben eine, die kein starkes Basketball-Programm hat.

Wie wir alle wissen sind die US-Amerikaner die besten Vermarkter und Lin hatte auch noch das Glück einen perfekten Namen zu haben, also entstanden zahlreiche Variationen wie Linsanity usw. Die Trikotverkäufe mit seiner Nummer gingen durch die Decke. Teilweise kam man nicht mit der Produktion nach. Alles das geschah dann auch noch in der Welt-Hauptstadt der Medien, New York!

Warum also war Lin so wertvoll und warum setzte Houston alles daran ihn in die eigenen Reihen zu bekommen?

 

Der chinesische Markt

Lin ist Taiwan-Chinese vom Ursprung. Seit Yao wegen anhaltendem Verletzungspech seine Karriere bei Houston beenden musste, sehnte sich Asien nach einem neuen Star und hier insbesondere China. Der chinesische Basketballmarkt ist riesig, denn die Sportart erlebt ein unglaubliches Wachstum in China und so wurden sogar schon alternde NBA-Stars in chinesische Mannschaften gelockt. Was heißt das jedoch in Zahlen?

Schauen wir uns den Aktienkurs des Mutterkonzerns an, dem der Madison Square Garden gehört ab dem Moment als die Linsanity losging in der letzten Saison.

Der Sprung ist natürlich an genau dem Datum als die Linsanity begann. Doch Ticketverkäufe und ähnliches ist zweitranging, wenn man sich die wahre Online-Cashcow anschaut, den Verkauf von Werbeplätzen und hier ist Google ein Nebendarsteller, da wir uns in Asien befinden. In Asien zählt einzig und allein die Macht von Baidu, dem Suchmaschinenriesen. In den Tagen der Linsanity war Jeremy Lin der meistgesuchte Begriff der Suchmaschine.

 

Houstons Angebot und Risiken

Lin ist nun bei Houston gelandet, weil die Knicks nicht bereit waren das Angebot der Texaner mitzugehen. Es gab allerhand verrückte Zahlen und man redete sogar von einer Milliarde Dollar, die Lin den Knicks wert sein sollte. Doch scheinbar waren die Alarmglocken bei den New Yorkern lauter als man dachte und sie waren nicht bereit ihm innerhalb von vier Jahren insgesamt 28,8 Millionen Dollar zu bezahlen. Wobei angemerkt werden muss, dass dies die reinen Gehaltskosten sind, weil das NBA Konstrukt über Maximalgehälter eines Vereins deutlich komplexer ist. So hätte das Gehalt der dritten Lin-Saison die Knicks 43 Millionen Dollar gekostet obwohl sein Gehalt auf dem Papier 14,8 Millionen Dollar für die Saison beträgt. Der Rest sind Strafzahlungen für zu hohe Gehälter und Steuern.

Die Knicks wurden dafür stark kritisiert, denn das Lin Trikot war das am zweit häufigsten verkaufte Trikot bei nba.com zwischen April 2011 und April 2012 und das obwohl man eigentlich nur einen 3-Monats-Boom hatte. Die Rockets scheinen da risikobereiter zu sein, aber nachdem Forbes die Daten der Teams analysiert hat, ist die Entscheidung nicht eindeutig gut oder schlecht. Während der Wert der Houston Rockets mit Yao Ming, also einem echten chinesischen Basketball-Star, überdurchschnittlich war, flachte er nach seinem Rücktritt schnell wieder ab. Der Effekt verpuffte also. Es gibt aber auch ein Gegenbeispiel: Yi Jianlian. Mit ihm hofften die Bucks auf einen ähnlichen Effekt wie den mit Yao bei den Houston Rockets. Das Problem hier war, dass Yi einfach nie ein besonders guter Spieler war und so entwickelte sich der Gegenwert des Vereins sogar unterdurchschnittlich. Es kann also festgehalten werden, dass man hier mit Spielern spekuliert als seien sie Aktien an der Börse.

 

Im Fussball ebenfalls normal

Wer glaubt dies sei ein reines Phänomen außerhalb des Fußballs, der täuscht sich gewaltig. LA Galaxy kaufte damals Beckham auf den ersten Blick für eine viel zu hohe Summe bzw. bot ihm ein viel zu hohes Gehalt an. In Wirklichkeit hatte er sein Gehalt nach der ersten Asientour wieder eingespielt und LA wusste das sehr genau, schließlich ist kaum ein westlicher Sportler dort so beliebt gewesen zu der Zeit.

Manchester United machte beispielsweise mit Park unglaublich viel Geld, weil er in Asien ein Star war. So verwunderte es nicht, dass sie mit dem Verkauf von Park gleich Kagawa als neuen potenziellen asiatischen Star einkauften. Und die Rechnung geht auf, da Manchester United zu den beliebtesten Vereinen Asiens gehört. United hat dieses Vorgehen sogar perfektioniert indem sie bereits 2000 den ersten United Shop in Singapur eröffneten. Inzwischen sind 17 Millionen ihrer weltweit 50 Millionen Anhänger aus Asien.

 

Globales Dorf

Diese Effekte werden sich noch weiter vermehren, weil die Welt rein medial immer kleiner zu werden scheint. Die NBA feierte in den 80ern die Tatsache, dass sie bei großen TV-Netzwerken ihre Spiele übertragen konnte. Inzwischen ist dank des Internets die ganze Welt abgedeckt. Hat in einem Staat kein Sender die Ausstrahlungsrechte, vermarktet sich die NBA einfach selbst, indem sie ihr Livestreaming verkauft. Wir reden hier nicht von kleinen verpixelten Streams, sondern von HD-Streams. Ach ja, und der NBA.com Store zeigt inzwischen sogar die kompletten Kosten an beim globalen Versand nach Deutschland, inklusive Zoll und Versand.

Ob diese Entwicklung gesund ist, lässt sich schwer sagen, aber die Spieler sind schon längst zu Kapitalanlagen geworden und so verwundert es nicht, dass sich die Profisportler immer weiter angleichen und weniger eigenen Charakter zeigen. Schließlich hat jeder unzählige Medienberater, die einen immer in die gleiche Richtung lenken. Ich persönlich finde das langweilig und war immer ein Fan davon auch mal einen BadBoy zu sehen oder einfach Spieler, die noch als menschliche Wesen erkennbar waren.

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