Hip Hop - nur die Nachricht?

Hip Hop – nur die Nachricht?

Hip Hop - nur die Nachricht?Nein, das wird keine Abhandlung über „the message“ oder andere große Hip Hop Songs, die mit der Zeit die Charts stürmten. Vielmehr geht es um die Verteidigung einer Musikrichtung, die schon immer von ihrem Inhalt lebte, ob nun im Positiven oder Negativen. Seit ich denken kann höre ich diese Musik (neben anderen Musikrichtungen) und es ist immer wieder interessant welche Kritik aufkommt, aus welcher Richtung diese kommt und welche Mythen am Leben bleiben.

Ursprung der Konfrontation

Der Ursprung der Musik und auch der Konfrontation sind natürlich die USA und die Konfrontation begann als der sogenannte Gangster-Rap zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte. NWA war hier sicherlich nicht die erste Gruppe, aber die wohl einflussreichste. Plötzlich waren da unter anderem ehemalige Drogendealer, die über ihren Alltag im Ghetto rappten, über Drogen, Waffen, Gewalt, Sexismus und alle Aspekte der damaligen Zustände in den US-Ghettos.

Ich meine hier explizit den wahren Ursprung der Musik mit NWA, LL Cool J, KRS One, Ice-T usw, nicht die neumodischen Bling-Bling-Erscheinungen, die nun von genau dieser Vorgeschichte ihr Image „schnorren“ und sich als Pimps darstellen. Dazu später mehr.

Die deutsche Version des Konflikts

Die deutsche Version findet man unter anderem in der Aggro Berlin Welle und es ist erstaunlich, dass sich die Reaktionen so ähneln, auch wenn natürlich nicht alles 1zu1 zu übertragen ist. Doch auch in Deutschland gab es Empörung über die Inhalte, die Versuche die Musik auf den Index zu setzen oder Diskussionen darüber was diese Musik wirklich fördert. Es gibt hierbei zwei Hauptthemen: auf der einen Seite die angebliche Gewaltverherrlichung, auf der anderen sexuell bezogene Gewalt (ob psychischer oder physischer Art) gegenüber Frauen und Homosexuellen.

Gesellschaftliche Ablenkung

In beiden Fällen sehen wir das Phänomen, dass konservative, von der Zeit überholte Gestalten (lese hier: Politiker) gesellschaftliche Missstände, an denen sie aktiv beteiligt waren, nun auf die Nachrichtenübermittler übertragen wollen. Nehmen wir die Missstände in den US-Ghettos, die vor allem auf der damaligen Politik der Verwahrlosung der Armen beruhten. Soziale Ausgaben wurden gekürzt, der Arbeitsmarkt befand sich in einer ernsthaften Krise und die „Elite“ lebte in einer anderen Welt als die „Unterschicht“. Plötzlich wurden Teile der Unterschicht laut und rappten über Mord, Drogen und wie die Realität in ihrer „Gegend“ aussieht. Die politische Führung hatte ihr Ablenkungsmanöver, indem sie aus einem Lautsprecher die Ursache zu machen versuchten.

Genau dies sehen wir zunehmend in Deutschland, mit der gleichen Welle an Musik (dies ist durchaus überraschend). Bezeichnend waren die Lieder „mein Block“ und „Arschficksong“ von Sido. Natürlich kann man in Deutschland nicht von Ghettos, die voll sind mit Schusswaffen reden, aber es ging um kaputte Leben, Gewalt und kriminelle Handlungen, die von der Politik schnell als Verherrlichung dargestellt wurden. Schon konnte die Politik über die von Migranten dominierte Viertel herziehen und die passende Musik dazu hatten sie als Ursache ausgemacht. Es waren nicht etwa 30 Jahre nicht vorhandene Integrationspolitik oder der bewusst geförderte Untergang der Mittelschicht, die solche Zustände förderte, es waren auf einmal Baggy-tragende Musiker.

Noch beispielhafter ist die Reaktion auf den „Arschficksong“ von Sido (die Inhalte sollte man leicht erraten oder ergooglen können). Das Schuldige ist also der Musiker, der gehört wird von Jugendlichen. Nicht die Kürzungen bei Projekten um Jugendliche vernünftig zu beschäftigen, nicht die Eltern, die es verpasst haben, den Kindern richtig und falsch beizubringen, nicht die Politiker, die eine Arbeitssituation gefördert haben, in der Eltern die Zeit für Erziehung nicht finden…nein, es ist ein Musiker, der das Kind beim Namen nennt.

Leichenfledderer Medien

Die Medien spielen wie immer bei solchen Vorfällen eine tragende Rolle, die sie möglichst weit von sich stoßen wollen. Sie profitieren von beidseitigem „Öl ins Feuer gießen“. Zuerst werden die Musiker zur Schau gestellt NACHDEM man aktiv an ihrer Promotion gearbeitet hat, nur um danach als Moralapostel zu agieren mit dem Ziel Talkshows zu veranstalten, bei denen über die Verantwortung der Musik und NICHT über die Ursachen der Missstände geredet wird. Wichtige Zutaten in den Talkshows: mediengeile Feministin wie Frau Schwarzer, asozialer arroganter Rapper wie Bushido und dann noch ein paar komplett sinnlose Politiker, die die schon weiter oben erwähnte Taktik verfolgen und genauso wie die anderen zwei Teilnehmer ihre Mutter für einen Medienauftritt verkaufen würde (a.k.a. die Seehofers der Republik).

Leidtragende

Die um die es gehen sollte, die Menschen, die zum Inhalt der Lieder wurden. Die 15-jährige wird auch weiterhin nicht begreifen, dass sie kein Gebrauchsgegenstand eines Mannes ist, der kleine „Gangster aus dem Block“ wird weiterhin keine wirkliche Arbeitsperspektive sehen, aber Frau Schwarzer, Bushido und Herr Seehofer werden ihre Knochen von Show zu Show bewegen.

Auch wenn Kunst weit nach den Menschen anzusiedeln ist, so fällt diese auch zum Opfer. Im US-amerikanischen Hip Hop deutlich zu beobachten. Bands wie The Roots sind eine wahre wundervolle Ausnahme, denn sie sind noch immer gesellschaftskritisch auf hohem Niveau. Die schäbigen Auswüchse sieht man in unzähligen Bling-Bling Videos, die alle einen 08/15 Beat für den schnellen Hit haben, Brüste und „Pseudogangster“, die gerne so tun als wären sie echte wie damals als der Gangsterrap entstand.

Fazit- nur Nachricht

Am Ende des Tages haben wir zwei Seiten. Den Ursprung, bei dem der Hip Hop tatsächlich nur der Nachrichtenübermittler ist, der die Wut der Unterschicht ans Tageslicht bringt. Und da sind die Schnorrer und Trittbrettfahrer, die von diesem Image profitieren wollten, ihre eigenen Fehler kaschieren wollen oder sich einfach als Person profilieren wollen. Das hier soll keine Reinwaschung sein, denn vor allem die Musiker, die nur auf einen Imagezug aufspringen sind inhaltlich und moralisch wertlos und ihre Texte sind in ihrer Härte reine Kommerzprodukte und dennoch muss man sich den Kern anschauen und an die Ursachen herangehen, die solche Texte produzieren. Genauso wie damals in den USA ist die konservative Politikelite nur in der Lage nach mehr Gefängnis und härteren Strafen zu schreien, schließlich möchten sie alles aus dem Blickfeld entfernen was die eigene schöne Scheinwelt stören könnte. Doch schon in den USA zeigte sich, dass die reine Bestrafung zu keiner Abschwächung der Kriminalität führte und mit Frankreich hat man sogar ein Beispiel in der Nachbarschaft. Versucht also nicht die Zeitung zu wechseln, sondern ändert die Nachricht!

NWA – die Mutter des Gangsterrap

Interessante Doku über die Gruppe, die Dr Der und Ice Cube berühmt machte und den Gangsterrap überhaupt zur Masse brachte. Interessant um Ursachen und einiges andere zu verstehen.

[media url=“https://www.youtube.com/watch?v=0OZdFYWzw3c“]

Hip Hop – Die Crack-Kultur

Ebenfalls interessant, die parallele Entstehung der Gangster-Raps, der Crackseuche in den USA und die Entwicklungen.

[media url=“https://www.youtube.com/watch?v=O-x8XaFJ-Kk“]

Leave a Reply

Next ArticleScorsese wird 70