Vater werden

Der Titel sagt es schon, ich werde Vater. Eine dieser Aufgaben, die nun auch mir bevorsteht, da die (deutlich) bessere Hälfte schwanger ist. Ich muss dazu sagen, dass es ein absolutes Wunschkind ist und wir beide schon von klein auf für uns wussten, dass wir eine Familie und Kinder wollen (wir wussten nur nicht, dass wir sie dann mal zusammen haben werden). Die üblichen Klischee-Reaktionen, die man so gerne in den Medien verbreitet wie: Panik, Fluchtreflex oder ähnliches hatte ich daher zu keinem Zeitpunkt und dennoch steht eine absolut essenzielle Veränderung bevor, die viele Überlegungen und Entscheidungen von einem selbst abverlangen wird.

Ein wichtiger Teil dieser Zeit bzw. ein Thema, das perfekt für die Seite hier ist, ist das Geschäft, das inzwischen mit Schwangeren gemacht wird, indem man sie belügt und verängstigt und zwar sowohl durch die Medien als auch (viel schlimmer) durch die eigenen Ärzte, die zunehmend nur am Profit orientiert sind. Auf Grund des Themaumfangs wird dieses einen eigenen  Beitrag bekommen bevor wir hier in Buchkapitel-Dimensionen enden.

 

Verantwortung

Das meist benutzte Wort und dennoch das am wenigsten ernst genommene ist Verantwortung. Als werdender Vater steht man unmittelbar von einem großen Sprung was die Menge der Verantwortung angeht. Ich gebe zu, das Denken ändert sich und während man zuvor absolut risikoreich war was die eigene Karriereplanung angeht, so erwische ich mich dabei wie ich nachdenke was der beste Mix aus interessanter, aber eben auch sicherer Arbeit ist. Verantwortung spiegelt sich aber auch in der Erziehung wieder. Ich erwische mich auch dabei wie ich überlege was ich mir für mein Kind wünsche, ob ich die aktuelle Umgebung als die optimale Situation empfinde und dennoch ist mir bewusst: es wird manchmal nicht DIE Lösung geben.

Das wichtigste ist jedoch, dass man selbst die Verantwortung trägt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Ausreden im Kommen sind. Jeder und alles ist schuld, aber selbst Verantwortung übernehmen will niemand und in der Erziehung scheint dies extrem verbreitet. So sollen die Schulen erziehen, Gewaltspiele sind schuld wenn die Kinder mal durchdrehen und das böse Internet eh. Bei allen Problemen, die sowohl Internet als auch die Medien (vor allem die Medien) mit sich bringen, bleibt die oberste Verantwortung und Instanz bei den Eltern. Die Eltern können noch so jammern über die Bedingungen und dass es richtig sei etwas gegen die Gewaltverbreitung in dem Medien zu tun, ABER sie sind dafür verantwortlich den Kindern den richtigen Umgang mit solchen Themen beizubringen.

 

Erziehung

Natürlich ein Dauerthema und ich gebe es zu, auch eines das mich beschäftigt. Ich komme aus einem Elternhaus, in dem beide Elternteile sehr unterschiedlich erzogen haben. Meine Mutter war die deutlich strengere, während mein Vater immer die Philosophie verfolgte, dass er vor allem Grundwerte beibringen, also einen Kompass mitgeben muss.

Ich selbst bin wohl vermutlich irgendwo in der Mitte, aber ich bin entschiedener Gegner von pseudomodernen Ansätzen, die aus Kindern emotional weltfremde Gestalten machen. Ich sehe im Bekanntenkreis Eltern, die Bösewichte aus Märchen wegzensieren und einen anmeckern, wenn man bei einem Spiel gegen das Kind gewinnt. Diese künstlich geschaffene heile Welt kommt ganz klar aus den USA, wo man teilweise Fußballspiele abhält, bei denen die Tore nicht gezählt werden, damit keines der Kinder traurig ist. Man mag mich in einigen Fällen dafür verurteilen, aber die Verantwortung der Eltern ist es nicht die Kinder durchgehend zum Lachen zu bringen oder ihr bester Freund zu sein. Die Verantwortung der Eltern ist es ALLES daran zu setzen die Kinder auf das spätere Leben vorzubereiten. Die Eltern, die ihre Kinder um jeden Preis fröhlich sehen wollen (wehe es gibt mal eine Niederlage) oder immer die „coolen“ Eltern sein wollen handeln absolut egoistisch und unverantwortlich, denn sie tun dies für sich … damit sie sich gut fühlen.

Ansonsten kreisen die Gedanken natürlich darum wie man dem Kind den richtigen Bildungsweg mitgibt und auch da sind meine Frau und ich ganz klar positioniert. Fernseher sind kein Erziehungsmittel oder Babysitter, eben so wenig wie iPads und Computer. Inzwischen sehe ich eine Flut an Eltern, die der Meinung sind, der Fernseher verschaffe ihnen ja Ruhe und Entspannung, weil die Kinder dann still sind. Ich sehe das komplett anders und gerade kleine Kinder sollten wenn überhaupt, nur sehr kontrolliert vor dem TV sein. IPads und ähnliches sind nicht als Spielzeug zu sehen, sondern als Werkzeug für Lernspiele und in dieser Funktion sind sie wirklich eine Verbesserung.

Ein wichtiger Punkt für meine Frau und mich ist auch, dass das Kind von Beginn an mehrsprachig aufwächst, schließlich leben wir in einer globalisierten Welt UND für Kleinkinder ist das Erlernen neuer Sprachen extrem einfach. Wer sich auch mit dem Gedanken trägt, sollte sich vorab pädagogisch mit dem Thema beschäftigen und informieren, denn einfach durcheinander quatschen ist für Junior nicht das Gelbe vom Ei.

 

Vorbild sein

Dies ist meinen Augen der wichtigste Punkt, denn er stellt die Frage „was lebe ich meinem Kind vor?“. Toleranz gegenüber anderen Kulturen, anderen Religionen usw. kann am besten beigebracht werden, wenn es auch selbst gelebt wird. Das gleiche gilt auch für Bildung, gesunde Lebensweise und vieles mehr. Viele Eltern neigen dazu das eigene Gewissen zu beruhigen indem sie dem Kind einen hoch philosophischen und „anständigen“ Vortrag halten, aber dann leben sie genau das nicht vor.

Aus meiner Sicht als Mann umfasst die Vorbild-Rolle noch andere kritische Bereiche, insbesondere wenn es um den Umgang mit Frauen geht. Ich als Vater muss dem Kind vorleben mit welchem Respekt man eine Frau behandelt und wie man mit ihr umgeht und das gilt unabhängig davon ob man am Ende eine Tochter oder einen Sohn bekommt.

Wird es ein Sohn ist man direktes Vorbild und lebt dem Sohn vor wie man als Mann zu sein hat. Natürlich wird das Kind seinen Weg später alleine gehen, aber das Vorgelebte ist absolut entscheidend. Wer glaubt bei einer Tochter wäre die Verantwortung des Vaters geringer, der liegt meilenweit daneben. Wir Väter neigen bei Mädchen dazu zum Überbeschützer zu mutieren. Viel wichtiger ist jedoch dem Mädchen durch das Verhalten ihrer Mutter gegenüber zu zeigen, dass sie sich selbst respektieren soll und IMMER weiß, dass niemand über sie geistig oder körperlich die Kontrolle haben darf. DAS ist eines der wichtigsten Aufgaben, die man als Vater einer Tochter hat. Der Vater hat hier einfach eine andere Rolle, insbesondere weil die Herausforderungen einer Mädchenerziehung in der heutigen Gesellschaft andere sind und sie für den Vater nicht im Falle eines Sohnes durch direktes Vorleben zu erfüllen sind.

Die wichtigsten Dinge, die man ihnen beibringen kann und sollte:

1. Sie sind schön so wie sie sind und sie sind fähig und smart genug um alle ihre Ziele und Wünsche zu erreichen.

2. Das richtige Verhältnis zu sich und zum eigenen Körper und das beinhaltet auch Dinge wie eine gesunde Ernährung.

3. Arbeitet nicht mit Ängsten, sowohl die Tochter als auch der Sohn müssen wissen, dass der Vater immer für sie da sein wird, unabhängig davon was passieren mag. Der schlimmste Zustand ist, wenn die Kinder glauben, sie könnten nicht auf euch zählen.

4. Werte, Werte, Werte, das ist eines der wichtigsten Punkte. Mit den richtigen Werten kommen die richtigen Entscheidungen, aber eigene Fehler sind nicht zu vermeiden. Da gilt auch Punkt 3!

5. Bei Mädchen und den aktuellen Medien: Sie allein hat die Macht und das Sagen über ihren Körper und ihr Leben. Niemand sonst!

 

Freude

Ich weiß, der Text klingt ernst und schwer und dennoch empfinde ich es nicht so. In erster Linie sollte man alles genießen: von der Schwangerschaft über Baby und Kleinkindalter bis zum Teeniealter wenn sie größer und erwachsen(er) werden – schließlich sind Kinder und Familie das wichtigste, was es im Leben gibt.

An alle die schon Papas sind und Verbesserungspotential sehen: heute mit dem Genießen anfangen!

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