Die Waffenfrage in der Kultur

Die Waffenfrage in der Kultur

Die Waffenfrage in der KulturEin Amoklauf wie gestern zeigt einmal mehr wie viele Probleme unsere westlichen Gesellschaften haben. Ein immer wieder zurückkehrendes Thema ist dabei die Frage nach den Waffengesetzen in den USA und aus unserer europäischen Sicht scheint es absolut befremdlich mit wie viel Leidenschaft das Recht auf Waffen verteidigt wird und zwar nicht nur durch eine insgesamt ekelhafte Waffen-Lobby, denen keine Tragödie eine wirkliche Reaktion abverlangen kann. Die Frage beim Waffenrecht ist jedoch komplexer und tief verwurzelt in der US-amerikanischen Kultur.

Der Ursprung

Der Ursprung dieser Denkweise ist so alt wie das Land selbst. Das Recht auf eine Waffe wurde in die Verfassung zementiert und basiert vor allem auf der Tatsache, dass man sich zur damaligen Zeit sehr oft selbst beschützen wollte, einfach weil kein ordnungsschaffender Staat vorhanden war.

Und genau da kommt ein kulturelles Problem der USA ins Spiel, das viel weitreichender ist als das alleinige Waffenrecht. Das Land hat eine unglaubliche Größe und eine starke Regulierung durch den Staat war widersprach schon immer dem amerikanischem Weltbild (was man an der noch immer recht großen Ablehnung von Obama-Care sieht). Hinzu kommt der glaube, dass man zuerst selbst stark sein muss anstatt sich Hilfe von anderen zu holen und genau hier kommt der Wunsch ins Spiel, sich selbst mit einer Waffe verteidigen zu dürfen.

Einiges davon hängt auch unmittelbar mit manch einer fehlenden Infrastruktur zusammen. Ich kann mich an eine Unterhaltung mit unseren Bed&Breakfast Besitzer in Vermont erinnern, bei dem der Familienvater zu mir sagte „Erstens, niemand hat das Recht mich in meinem Haus zu kontrollieren, das sollen sie doch bei den Kriminellen machen. Zweitens: wir haben hier immer wieder Bären, aber keine staatliche Behörde kümmert sich aktiv darum also muss ich vorbereitet sein.“

Diese Aussagen umschreiben die Situation und das Problem sehr gut. Auf der einen Seite das Denken „ich bin gesetzstreu und mache nichts schlimmer mit meiner Waffe, also habe ich ein Recht auf sie“ und auf der anderen Seite eben das Fehlen einiger staatlicher Institutionen.

Schmerzhafter Prozess

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass wir in Deutschland die gleiche Debatte und die gleichen Diskussionen hätten, wenn es bei uns 40-50 Jahre lang ein lockeres Waffengesetz gegeben hätte. Warum? Weil der Mensch dazu neigt nur die eigene Sichtweise zu sehen. Wir hörten die gleichen Argumente von Sportschützen als man nach den Amokläufen bei uns die Gesetze weiter verschärfte („ich mache nichts kriminelles und für mich ist es ein Sportgerät“).

Trotz allem kann das Ergebnis nur sein die Gesetze zu verschärfen, aber vor allem den kulturellen Teil zu ändern. Es ist ein Unterschied ob man mit der Denkweise aufwächst, dass Waffen etwas Verbotenes und Schlechtes sind oder ob man mit dem Bewusstsein einer Normalität aufwächst, wenn es um Schusswaffen geht.

Dieser Prozess ist ein Umdenken und dazu ein Schmerzhaftes, weil man einsehen muss, dass ein Bestandteil der Kultur und ja sogar der Identität in seinem Grundansatz falsch war. Doch wenn eine Generation in dem Wissen aufwächst, das Waffen absolut zu vermeiden sind und niemand Gutes sie braucht, dann ist auch dieser Prozess einen großen Schritt weitergekommen.

Der Sicherheits-Irrglaube

Ich habe in der Welt einen Artikel gelesen, der von jemandem geschrieben wurde, der nach dem Amoklauf plötzlich einverstanden ist, dass jede Schule zu einem Fort Knox gemacht wird. Das ist ein zu 1000% nachvollziehbarer Reflex von Eltern und ich würde ihn nie verurteilen. Was hier jedoch vergessen wird ist: KEIN Sicherheitskonzept kann so viel bewirken wie es ein kulturelles Umdenken kann. KEIN Sicherheitskonzept kann ausgleichen, dass uns unsere Mitmenschen zunehmend unwichtig werden und man so anfängt Soziopathen jeder Art heranzuzüchten.

Noch viel wichtiger: in den USA und bei einigen unserer konservativen Politiker neigt man dazu immer mehr Kontrolle und Sicherheit zu verlangen anstatt sich die Ursachen anzusehen, die meist ein Produkt ihrer eigenen Politik sind. Auch in diesem Falle ist eine Fort Knox Schule nur die Bekämpfung des Symptoms, aber an der Ursache hat es nichts verändert.

Der wirkliche Weg um solche Amokläufe zu verhindern ist der gesellschaftliche, ob es um die Selbstverständlichkeit von Waffen geht oder die Produktion von Menschen, die unendlichen Hass auf die Leistungsgesellschaft entwickeln.

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