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Scorsese wird 70

Martin Scorsese wird 70 und im Normalfall wäre mir das absolut egal, aber es gibt Menschen, die in ihrem Leben schöne Dinge geschaffen haben und genau deswegen auch mal eine Huldigung verdienen. Sicher, die weit verbreiteten Theorie-Gutmenschen, die man im Volksmund auch Meckertanten nennt, werden sich echauffieren über die Tatsache, dass dieser Mann lediglich Filme schuf anstatt das Rad neu zu erfinden, aber es muss ja auch Menschengruppen geben, die einem egal sind.

Scorseses Ursprung

Ich bin nicht wirklich alt und dennoch wurde meine Wahrnehmung der Films extrem stark von New Yorks Generation an Italo-Schauspielern und Regisseuren geprägt. Natürlich hat dies auch stark damit zu tun, dass ich als klassisch männlicher Zuschauer das Raue in den Filmen ebenso mochte wie epochale Mafiageschichten. Scorsese ist Teil dieser Generationen an Schauspielern und Regisseuren, die alle aus New York stammen und meist italienische Wurzeln haben. Die am häufigsten eingesetzten Schauspieler von Scorsese sind unter anderem De Niro, Harvey Keitel, Joe Pesci oder Frank Vincent, die alle eine ähnliche Hintergrundgeschichte haben.

Dennoch sollte man nicht denken er sei hier selektiv vorgegangen, insbesondere weil sich seine Vorlieben auch der Zeit angepasst haben. Mit dem Aufstieg von Leonardo DiCaprio hatte er einen neuen Liebling, den er inzwischen bei bereits vier Filmen eingesetzt hat.

Meilensteine der Filmgeschichte

Ich weiß beinahe nicht wo ich hier anfangen sollte, schließlich hat dieser Mann eine unfassbare Filmhistorie, aber da dieser Blog eh schon meine Ego-Show ist, halte ich mich daran und erwähne vor allem meine Lieblinge.

Hexenkessel (Mean Streets) 1973 – sicherlich nicht sein bester Film, aber er setzt zum ersten Mal Harvey Keitel und De Niro ein Zwei der besten Schauspieler, die wir je hatten, die damals jedoch recht unbekannt sind. Vor allem wichtig, weil hier der Grundstein der Großstadt-Romantik New Yorks gelegt wird. Jener „negativer“ Romantik, die zum Kult dieser Stadt beitragen wird. Scorsese kreiert bereits hier Charaktere aus der Unterwelt, Kleinganoven und große italienische Mafiabosse und das alles das wirkt gewalttätig, dreckig, gelinde gesagt „abgefuckt“ und fasziniert dennoch.

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Taxi Driver 1976 – Ernsthaft, muss ich zu diesem Film noch etwas schreiben??? Ein Film, der zu Recht für immer in die Geschichtsbücher eingegangen ist, denn Scorsese behandelt hier gleich mehrere Themen. Auf der einen Seite ist da DeNiro, hier ein traumatisierter Kriegsveteran, der eine 12-jährige Prostituierte kennenlernt (gespielt von Jodie Foster) und am Ende in einer Mischung aus Wahn, Wut und Unfähigkeit zu sozialen Bindungen ein Blutbad begeht, bei dem er Freier und Zuhälter umbringt. Der Zuschauer erlebt die verstörende Wandlung und dennoch feiert die Presse den Hauptdarsteller am Ende als Rächer und Helden. Scorsese bringt hier die Traumatisierten des Krieges auf die Leinwand, die Medien in ihrer selektiven Wahrnehmung und natürlich auch das Leben der Verlierer wie der 12-jährigen Iris. Man bleibt am Ende hin- und hergerissen zwischen Zustimmung für den Rächer, der den „menschlichen Abschaum“ von den Straßen beseitigt, des Schocks über die Gewalt und Mitleid für den offensichtlich traumatisierten DeNiro. Ein absolutes Meisterwerk, das bis heute für Gesprächsstoff sorgt wie kaum ein anderer Film.

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Wie ein wilder Stier (Raging Bull) 1980 – DeNiro als Boxer und so gut wie man ihn wohl selten gesehen hat. Der Aufstieg und Fall von Jake LaMotta und Scorsese zeigt einmal mehr einen Menschen, der scheitert. Der Film basiert auf dem wahren Leben von Jake LaMotta, der als einer der besten Nehmer in die Boxgeschichte einging, aber mit so viel Wut boxte, dass er nie wirklich trainierbar war. Mittelpunkt des Films ist seine eigentlich Kompromisslosigkeit, die er aufgeben muss um einen Kampf auf Anweisung der Mafia zu verlieren um seine Chance auf einen WM-Kampf zu bekommen. Nach seiner kurzen Weltmeisterzeit beginnt sein tiefer Fall und DeNiro spielt einen wütenden, immer fetter werdenden Verlierer mit einer Unglaublichen Echtheit. Außerdem ist es einmal mehr ein Abbild von Little Italy der damaligen Zeit. DeNiro erhielt einen Oscar und der Film gilt bis heute als einer der besten aller Zeiten.

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Die Mafia-Filme (Good Fellas, Casino & Departed) – Wie ich schon einmal schrieb, bin ich simpel strukturiert was manche Dinge angeht und daher auch ein absoluter Fan von Mafiafilmen und Scorsese schuf wahre Meisterwerke in diesem Genre, die dennoch alle sehr unterschiedlich sind. Good Fellas verfolgt das gesamte Leben eines Mafiamitglieds, von seinem Aufstieg bis zu seinem Fall später als der Staat anfängt durchzugreifen. Casino zeigt die Veränderungen in Las Vegas als die Stadt noch von der Mafia beherrscht wurde und so unwirklich es wirkt, so real waren viele Dinge, die man dort sieht. Departed wechselt dann in die Gegenwart und ist der erste Film dieser Art mit Scorseses neuem Liebling DiCaprio, der als Undercover-Polizist absolut überzeugt, aber am Ende doch immer von Jack Nicholson als Mafiaboss in den Schatten gestellt wird. Interessant ist hier auch die Anpassungsfähigkeit von Scorsese, der bei Departed weggeht vom italienischen New York zu dem realen bunteren New York und dennoch spielt auch hier Korruption bei der Polizei eine wichtige Rolle (Matt Damon als von Polizist, der eigentlich sein Leben lang Mafiamitglied war ist einfach grandios).

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Die Liebe zu New York

Dies zeichnet so unglaublich viele seiner Werke aus und selbst Filme, die lange vor unserer Zeit spielen wie „Gangs of New York“ (Daniel Day Lewis, noch nie war jemand gleichzeitig so böse und faszinierend) haben diese unglaubliche Stadt als Thema. Auch Scorseses früher versuch ein Musicalfilm zu kreieren hat New York als Thema und selbst nicht-Mafiafilme wie Zeit der Unschuld (the age of innocence) bringt die Stadt als Thema mit rein und wenn es die Moralvorstellungen der Oberschicht von New York sind.

Neuere Werke – oldschool und experimentell

Anders kann ich das Schaffen von Scorsese nicht beschreiben. Mit der Regie und Produktion der Serie Boardwalk Empire nimmt er wieder das Mafiathema auf, schließlich geht es um die krummen Geschäfte in der Glücksspielmetropole Atlantic City (das Vegas der Ostküste) während der Prohibition (die Serie ist MEHR als nur empfehlenswert). Dann gibt es aber auch die Versuche komplett andere Dinge zu tun wie Dokumentationen (die alle sehenswert sind) oder die 3d Verfilmung des Kinderromans „die Entdeckung des Hugo Cabret“.

Was bleibt

Natürlich hat Scorsese nicht die Welt verändert, aber er hat Filme geschaffen, die man als Zeitzeugnis von New York ansehen kann, schließlich hat kaum jemand der Charakter dieser Stadt immer wieder so gut eingefangen wie Scorsese. Ansonsten bleibt großartige Unterhaltung und man kann nur dankbar sein für die Flut an großartigen Filmen. Also: alle Gute zum 70sten!

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