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Die TV Branche schläft

Klingt sicherlich radikal, aber weit daneben ist es auch nicht. In den letzten Jahren sehen wir bei den TV Medien zunehmend eine Bequemlichkeit was das Internet angeht. Sicher, die großen Sender haben alle Online-Mediatheken eingerichtet, aber ein Archiv für die eigenen Sendungen ist keine neuartige Errungenschaft, sondern rein technisch nur eine Frage der Serverpower, schließlich sind die Sendungen bzw. das Programm ja schon vorbereitet. Verschläft das Fernsehen die Netzwelt?

Beispiel Zeitungen

Das beste Beispiel für Tiefschlaf sind Zeitungen. In den letzten Monaten werde ich den Eindruck nicht los als wäre ein gewisses Mitleid für die Redaktionen angebracht, die nun ihre Türen schließen müssen, doch genau das ist NICHT der Fall, auch wenn mir die arbeitenden Menschen selbstverständlich leidtun.

Die Zeitungsbranche hat in einer Mischung aus Arroganz und Bequemlichkeit alle Trends verschlafen, die man verschlafen kann. Bis heute ist es so, dass ich bei keiner Verhandlung mit einem Zeitungsverlag das Zauberwort TKP loswerde (tausend-kontakt-preis) und die Begründung ist absolut simpel: „das haben wir immer so gemacht“. Jeder weitere Versuch einer Veränderung wird dabei im Keim erstickt, ob man nach redaktioneller Werbung fragt oder eine Beteiligung am Erfolg anbietet (um anglizistisch auf die berühmte Kacke zu hauen: Performance-Marketing). Genau dieses Verhalten war es, das die Branche tief in die Krise führte, genauso wie der Glaube, das einzig eine Paywall eine Redaktion vor dem Untergang retten kann.

Traurig aber wahr an dieser Geschichte: die journalistisch und gesellschaftlich wertlose Bild-Zeitung gehört zu den wenigen, die wirklich halbwegs erfolgreich auch im Netz ihr Geld verdient. Warum? Weil sie sich gefragt hat was der Kunde haben will und wofür er in welchem Rahmen zahlen würde und weil sie auch andere Wege ging wie die Kooperationen bei den „Volks-Produkten“! Dennoch ist auch dort eine gewisse Angst vor der Zukunft zu erkennen, schließlich schickte man einen guten Teil der Führungsetage nach Silicon Valley um nach neuen Möglichkeiten zu suchen.

Beispiel Sportübertragungen

Vielleicht das gravierendste Beispiel. Die Auswahl der Liveübertragungen bei den Sportsendern (falls man oben-ohne-TV Sport1 als einen bezeichnen kann) hat stetig abgenommen und in den letzten Jahren beobachten wir wie zunehmend Alternativen diesen Markt übernehmen. Dabei sind zwei Konzepte zu sehen. Auf der einen Seite haben wir Sport-Livestream Anbieter, die ähnlich vorgehen wie ein klassischer TV Sender und die sich über Werbung finanzieren. Laola1.tv hier sicherlich das bekannteste Angebot, insbesondere weil sich das Unternehmen die Übertagungsrechte für die DEL gesichert hat.

Ein anderes Konzept präsentiert uns die oftmals als windig verschriene Glücksspielbranche. Hier wurden die Sport-Live-Streams als potenzielles Serviceangebot für den Endverbraucher entdeckt und aus Gesprächen mit den Unternehmen kann gesagt werden: es wirkt. Der Kunde muss sich registrieren um den Stream zu sehen und natürlich wird ihm immer das Livewetten Angebot präsentiert. Es kann darüber gestritten werden ob die Glücksspielbranche hier das richtige Beispiel ist, aber objektiv betrachtet decken sie hier ein Angebot ab, das eine starke Nachfrage hat. Inzwischen werden die ersten Ligen aus Italien, Spanien und Frankreich live übertragen und sogar die Handball WM gibt es dort im Live Stream. Der Vorteil für den Zuschauer liegt auf der Hand: keine Werbeunterbrechung, eine riesige Auswahl GLEICHZEITIGER Sportevents, die man live verfolgen kann usw. Die Frage ist daher warum dies den großen Sendern nicht eingefallen ist.

Nur große Stücke

Die Antwort darauf liegt in der Denkweise der TV-Sender. Auch hier hat die Kurzfristigkeit Einzug gehalten und es zählen nur Konzepte, die die großen Massen anlocken wollen. Die Frage, die man sich stellen sollte ist ob man hier nicht das große Ganze übersieht und eine ganze Generation links liegen lässt, da in den jüngeren Zuschauergruppen der klassische Fernseher eine zunehmend kleine Rolle spielt.

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